Malia

Der Palast von Malia befindet sich an der Nordküste Zentralkretas, ca. 40 km östlich von Heraklion. Der Name der antiken Siedlung ist nicht bekannt. Zwischen den südlichen Bergen und dem Meer verbeitert sich der Landstreifen zu ebenen Feldern, griechisch omala genannt. Von diesem omala bzw. Omalia leitet sich der heutige Name des rezenten Dorfes Malia ab, nachdem der 3 km entfernte Palast benannt wurde. Die Umgebung heißt Tarmaros. Einige Kilometer weiter östlich liegen die Runinen des alten Miletos.

Mythos:
Sarpedon, der “dritte” Bruder des Minos, wird mit dem Palast von Malia in Verbindung gebracht. Er war ein Verehrer des Miletos (Sohn Apollons und der Akakallis) nachdem die Stadt benannt ist,  folgte ihm nach Kleinasien, als Minos ihn vertrieb. Sarpedon fand mit seinen Gefolgsleuten, die sich Termilen nannten, in Lykien eine neue Heimat. Eine Kombination dieses alten Berichtes und des modernen Namens Tarmaros mit den Termilen führt zu der Vermutung, dass der dritte Palast von Kreta mit Sarpedon in Verbindung steht (Knossos mit Minos, Phaestos nit Radamanthys).

Lage:
Der Palast liegt in einer durch die rote Erde bedingten, fruchtbaren Ebene, ca. 200 m südlich von der Küste. Umgeben von der Siedlung, bestehend aus mehreren minoischen Gebäuden wie z.B. dem Quartier Mu, der Agora, der Hypostylen Krypta, der Nekropole von Chrysolakkos um nur einige zu nennen.
Diese Ebene am Fuß des Zourokephali-Hügels (14,97 m) wird im Süden vom Hügel Profitis Elias, dem Selenamassiv, und der Lassithi Hochebene mit dem Dikti-Gebirge, begrenzt. Der Palast von Malia ist mit 7.500 m2 der bisher drittgrößte auf Kreta nach Knossos (20.000 m2) und Phaestos (8.900 m2)

Forschungsgeschichte:
Admiral Spratt entdeckte bereits im 19. Jhdt die Ruinen des Palastes. (Elleniko Livadi)
1915 unternahm der griechische Archäologe Joseph Hatzidakis die ersten Ausgrabungen. 1921 wurde die Französische Schule von Athen eingeladen, die Arbeiten fortzusetzen, wo unter der Leitung von Jean Charbonneaux 1930 der Zentralhof freigelegt wurde.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Ausgrabungen unter der Leitung von Fernand Chapoutier und Pierre Demargue fortgesetzt und der Palast freigelegt, sowie die ihn umgebenden Wohnviertel ausgegraben. Erst nach dem 2. Weltkrieg in den 50er Jahren nahmen Micheline und Henri van Effenterre die Grabungen an der “Krypta” und “Agora”, Andre Dessene und Olivier Pelon am Quartier E, sowie Jean-Claude Poursat (ab 1965) am bedeutenden “Quartier Mu” wieder auf. 1981 haben Pascal Darcque und Claude Bourrain die NO-Ecke des Palastes weiter untersucht. Die in den Jahren 1981 und 1982 von Olivier Pelon durchgeführten Sondagen haben neue Erkenntnisse zu den Vorstufen des Palastes gebracht. Seit 1988 werden die Grabungen von Alexandre Farnoux und Jan Driessen fortgesetzt.

“Die Palastanlage”:
Der Palast von Malia hat eine Grundfläche von 7.500 m2 und ist wie alle minoischen Paläste nach NS ausgerichtet. Hinsichtlich Bauart und Ausstattung ist er kleiner und auch bescheidener (rustikaler) im Vergleich zu Knossos und Phaestos.

Einige  Merkmale stechen aber sofort ins Auge, die ihn von allen anderen unterscheidet und identifiziert: die in der SW-Ecke gelegenen 8 kouloures oder Silos, wie sie in der Literatur genannt werden, ebenso der Schrägbau beim Nordhof und der Altar im Zentralhof.
Die Baumaterialien:
Die Baumaterialen bestehen aus lokalem Gestein wie Ammouda, ein harter ockergelber bis rotbrauner Sandstein, wo die Steinbrüche entlang der Küste noch sichtbar sind. Mit Hilfe von  Säge oder Beil wurden daraus Blöcke geschnitten, von denen die Westfassade das beste Beispiel darstellt.
Sidéropétra, ein blaugrauer Kalkstein, der in der Umgebung weit verbreitet ist, aber  viel schwerer als Sandstein zu bearbeiten ist, wurde für die weniger bedeutenden Fassaden verwendet. Selten und für spezielle Anwendungen wurde weißer Marmor für bestimmte Säulenbasen, und den großen Kernos, weiters Konglomeratgestein und schließlich Schiefer für Bodenplatten und Schwellen verwendet.
An den externen Wegen und im Vestibül des Südeingangs wurde Aspropétra, ein Muschelkalk verlegt. Gips bzw. Alabaster fehlt – im Gegensatz zu Knossos oder Phaestos – in Malia gänzlich.
Die rote Erde, mit Stroh vermengt, diente als Mörtel bzw. Wandverkleidung oder als Ziegel für die Zwischenwände im EG und zweifellos im Obergeschoß, das heute aber nicht mehr vorhanden ist.
Holz war sicher auch unter den Baummaterialien, wobei es sich lediglich durch Aushöhlungen im Mauerwerk oder in den Zapfenlöchern der Sandsteinblöcke, nachvollziehen läßt.
Gleichzeitig diente das Holz der Elastizität, um die Gebäude vor den zahlreichen Erdbeben zu schützen.
Die runden Säulen und gelegentlich Pfeiler waren auch aus Holz gefertigt, und der Abdruck eines Säulenschaftes zeigte, dass in Malia wie in Knossos, die Säulen am Kapitel breiter waren als an der Basis. Schließlich kann man davon ausgehen, dass Holz und Erde das vorwiegende Baumaterial im Stockwerk bildete.
Stuck, ein Verputz aus Kalk, unterschiedlicher Stärke und Konsistenz wurde sowohl als Bodenbelag verwendet als auch um Unregelmäßigkeiten im Mauerwerk auszugleichen. Der Stuck könnte mit verschiedenen Farben (elfenbein, rot, ockergelb) bemalt gewesen sein, und diente vielleicht als Untergrund für Wandgemälde, von denen aber in Malia keine erhalten sind.
Konstruktion:
Wie bei den anderen Palästen sind auch in Malia die Räume um einen Zentralhof angeordnet, allerdings weniger mittig, deutlich gegen Osten und Süden verschoben, aber ebenso nach Nord-Süd ausgerichtet. Um diesen Zentralhof sind die Quartiers oder Ensembles angeordnet, deren Kommunikation durch Korridore bzw. Wege ermöglicht wurde.
Jedem dieser Quartiers wurde eine spezielle Funktion zugewiesen.
Olivier Pelon differenziert 4 funktionelle Bereiche: repräsentative, häusliche, kultisch-religiöse und wirtschaftliche (Magazine)
Ausgehend vom Zentralhof, sozusagen zentrifugal sind die Quartiers angeordnet. Dadurch ergeben sich auch die typischen Vor- und Rücksprünge der minoschen Palastfassaden.
Den Fassaden wurde unterschiedliche Bedeutung beigemessen:
Zweifellos ist auch in Malia die Westfassade die wichtigste.
Im Zentrum besteht sie aus sorgältig behauenen, quaderförmigen Sandsteinblöcken, die auf einem Sockel entlang der ganzen Breite aufgebaut sind; (Ashlar masonry)  an den äußerren Enden mit Kalksteinblöcken. Sie repräsentieren mehr als alles andere die typischen Charakteristika minoischer Fassaden, eine Folge von vor- und rückspringenden Mauern.
Der Westfassade ist ein großer Hof, der Westhof vorgelagert. (100 m lang und 20 m breit) Lt. Pelon konstituiert er eine Übergangszone aus Siedlung und Palast, zwischen Bürgerlichem und Politischem, zwischen Profanem und Religiösem. Ursprünglich war der ganze Westhof als Kalderim angelegt, darüberhinaus wird er von 1,05 m breiten Muschelkalkplatten durchquert
Diese Wege, die “raised walks”  werden oft als Prozessionswege, tituliert, scheinen aber generell zu den wichtigsten Punkten des Gebäudes zu führen.
Der Westhof wird im Norden und Süden von interessanten Komplexen begrenzt:
Im Norden durch das viel diskutierte Ensemble, “Hypostyle Krypta” genannt, eine Flucht an Räumen, die unterirdisch mit einer Reihe von Magazinräumen verbunden ist, deren Böden stuckiert sind, mit Abflußrinne und Sammelbecken versehen. Der Ausgräber Henri van Effenterre hat darin einen Versammlungsort von 2 Räten, den der Alten und den der Jungen, die über die Stadt zur Zeit der ersten Paläste regiert haben, gesehen.
Im Süden wurden teilweise große Magazinräume freigelegt, die architektonisch nicht mit dem Palast verbunden waren, aber die offensichtlich eine enge Verbindung in der protopalatialen Zeit hatten. Einige dieser Räume enthalten noch zahlreiche Pithoi.
Datierung Überblick:
Durch die Sondagen hat sich folgende Datierung ergeben:
1. Es existiert ein  Kern, aus FMIII-MMIA (Mitte des 3. Jtds. 2.300-1.900), d.h. es gibt eine prepalatiale Periode und zwar entlang der Westfassade (Quartier I) aber auch im Norden des Zentralhofes (Quartier IX)
2. Die Konstruktion des 1. Palastgebäudes in der Altpalastzeit MMIB-MMII (1.900 – 1.700) weist eine Fläche analog der Neupalastzeit auf.
3. In der Neupalastzeit gibt es eine Aufeinanderfolge zweier großer Bauphasen (in MMIII und SMIA 1.700 – 1.450 v. Chr.
Der erste Palast wurde in der Altpalastzeit MMIB – MMII ca. 1900 v. Chr. errichtet, der wahrscheinlich durch ein Erdbeben um 1700 v. Chr. zerstört wurde.
In dieser Zeit  entsteht ein “städtisches” Zentrum mit Siedlungen, dem Palast, Villen, Werkstätten und Nekropolen. Von dieser Phase – durch die Sondagen in letzter Zeit – ist im Palast leider nur noch wenig sichtbar (Plan I)
Aber die den Palast nordwestlich umgebenden Baukomplexe wie “Hypostyle Krypta”, “Agora” und das “Quartier Mu” belegen das “politische Zentrum” zu dieser Zeit.
Der neue Palast, dessen Ruinen heute noch sichtbar sind, wurde in MMIII ca. 1650 v. Chr. errichtet und um ca. 1450 v. Chr SMIA endgültig zerstört, wie Phaestos, Kato Zakros. Höchstwahrscheinlich ist der Vulkanausbruch von Thera als Ursache anzusehen oder die darauf folgenden Erdbeben bzw. ein paralleles Eindringen der Mykener vom Festland.
Nordflügel:
Es gibt 5 Eingänge in den Palast, wobei im Norden und Süden die Haupteingänge liegen.
Im Norden besteht der Eingang aus einem doppelten System von massiven Schwellen, zu dem ein leicht erhöhter plattenbelegter Prozessionsweg von der “Hypostylen Krypta”  führt. (Abb.)
Was ein Indiz für einen “kontrollierten” Eingang darstellt.
(Abb. Plan) Unmittelbar in der Nähe befinden sich die 6 Magazinräume, südlich davon der gepflasterte Nordhof, in dem sich noch die Reste von Säulenbasen erhalten haben. Zugang zum Nordhof bietet auch der  Nord-Ost-Eingang.
Die 2 großen Pithoi stammen ursprünglich aus den Nordmagazinen, darunter der Medaillon-Pithos.
Im Bereich der östlichen Außenmauer wurde ein Steinrhyton in Form einer Tritonmuschel, auf der im Relief 2 minoischen Genien mit einer Kanne darstellt sind, gefunden und in die Neupalastzeit datiert.
Der geplasterte Nordhof wird von mehreren Konstruktionen begrenzt:
Im Westen, außergewöhnlich im Zusammenhang eines Palastes, das Ensemble XXVIII, eine unabhängige Einheit, die einerseits den Nordhof und andererseits den Nordwesthof begrenzt. Im Boden des Raumes XXVIII 2 wurde unter einem riesigen Pithos ein Öltrenner ausgegraben, sowie das einzige Exemplar der “horns of consecration” aus Malia (Foto)
Der Schrägbau (XXIII 2) , ein kleines rechteckiges Gebäude mit den Maßen 5,50 x 4,70 m, überschneidet die Halle des Nordhofes eigenartig, und weist dadurch auf eine zeitlich spätere Entstehungszeit hin.
In der Literatur wird es als mykenischer Tempel, der aus den Ruinen des zerstörten Palastes erbaut wurde, angesprochen.
Der Raum im Osten wurde als Küche interpretiert, aufgrund einer Konstruktion, die als Herd gedeutet wird. In diesem Raum wurde auch ein Depot von Bronze-Werkzeugen gefunden (3 Dolche und 1 Meißel), was eine Seltenheit im Palast darstellt.
Die anderen Räume im Ostsektor als Ställe, worauf ich später noch eingehen werde
Gleich an den Nordhof schließt der Nord-Westhof an. Er ist etwas länger und ein bißchen schmäler als der Nordhof. Die Südostecke des Nordwesthofs wird von einem Gebäudeblock, bestehend aus 3 Räumen (Quartier V) beherrscht, der gleichzeitig aus der südlichen Mauerlinie hervorspringt.
Die Fassade besteht aus riesigen, sorgfältig behauenen Kalksteinblöcken und trägt jetzt die Bezeichnung “donjon” (Turm). Die beiden ersten Räume waren mit Gefäßen angefüllt, die höchstwahrscheinlich vom oberen Stockwerk heruntergefallen sind.
Über eine Tür, deren Schwelle heute noch sichtbar ist, konnte man in den Raum V3 gelangen und somit zur Nordwestecke des Zentralhofs.
Auf der N-Seite des Zentralhofes sind die 11 Marmorbasen einer Portikus erhalten, die zwar  unterschiedliche Formen und Größe aufweisen, aber ziemlich regelmäßige Abstände.
Mit Ausnahme der östlichen und westlichen Eingänge zum Hof.
Dahinter befindet sich eine große Gruppe von Räumen.
Die große Pfeilerhalle oder “Salle Hypostyle” (nicht zu verwechseln mit der “Hypostylen Krypta”, die außerhalb des Palastes liegt) (IX), in der zwei assymetrische Reihen von insgesamt sechs Pfeilerbasen erhalten sind.
Über dieser Pfeilerhalle lag vielleicht eine  für rituelle Bankette bestimmte große Säulenhalle, zu der im Osten eine zweiläufigeTreppe (IX a und IXb) hinaufführte und von der aus die Anwesenden einen weiten Blick über den Hof genossen.
Unter dem Boden von IX b wurde 1978 ein Tontäfelchen mit Linear A-Schrift entdeckt. Möglicherweise Teil eines Archivs.
An der SW-Ecke des Vestibüls XXI 1 beginnt der gepflasterte Korridor C’, der direkt zum Zentralhof führt. Am Eingang dieses Korrdors befindet sich eine zweiflügelige Tür.
Auch wenn der Zugang zum Hof direkt war, wurde er doch kontrolliert.
Der Nord-West-Trakt (Abb) öffnet sich im N zu einem großen Raum, der heutzutage von Mauern, die im Zuge der Ausgrabungen abgetragen wurden, durchkreuzt wird und dadurch den Eindruck des Bauwerks verfälscht. In Wirklichkeit war diese Fläche eine Art Esplanande, ohne Bauteile. Dadurch erklärten die Ausgräber dieses Areal zum Garten. Auch wenn diese Hypothese interessant erscheint, ist sie nicht fundiert. Die heute sichtbaren Mauern gehören zum 1.Palastbau, also der Altpalastzeit, aus dem der große Pithos mit Schnurdekor (Foto) stammt, der jetzt neben dem Nordeingang steht.
Die protopalatialen Teile des NW Flügels
Man kann in diesen abgetragenen Mauern der “Esplanade” einen Plan erkennen, der zeigt, dass es sich sehr wohl um einen Teil des Palastgebäudes handelte, denn die OW-orientierten länglichen Räume, erinnern an Magazine und münden in einen NS-ausgerichteten “Zubringergang” . Das gleiche Schema wie im neupalastzeitlichen Bau. An der O-Seite gibt es einen kleinen Hof mit Stuckboden, mit einer gewinkelten Portikus, von der einige Säulenbasen erhalten sind.
Unterhalb der Viertel III und IV des Neuen Palastes verlängern sich diese Bauten. Die Sondagen von 1936 und 1946 von Chapoutier und größere Abtragungen 1981 und 82 von Olivier Pelon haben unter den Sälen III 1 und III 7a gut erhaltene Säle ans Licht gebracht, die bisher unbekannte Aspekte der protopalatialen Architektur von Malia zeigen.
Die Überlagerung von 2 architektonisch interessanten Schichten verbot es aber, die untere Schicht auf Kosten der anderen ungedeckt zu lassen, daher hat man die protopalatialen Bauteile wieder zugeschüttet. Lediglich Zeichnungen existieren jetzt davon. (Abb Plan Alpha, Beta, Gamma)
3 Räume sind abgedeckt worden, zum westlichen Saal Alpha gehören 2 sichtbare Säulenbasen vor der West-Fassade,
Beta = großer Saal 9 x 7 m mit Stuckboden und ein ungewöhnliches System aus Plattformen, Rinnsaalen und Sammelbecken. Der Saal Gamma hat in der Mitte statt eines Sandsteinpfeilers einen doppelten Holzpfosten.
Hier die Rekonstruktion des Salles Beta
Die königlichen Gemächer
Über diesen Sälen liegt nun das  Quartier d’Apparat, die sogenannten Königlichen Gemächer.
Hier ist das sogenannte Megaron lokalisiert worden, ein Saal mit gepflastertem Fußboden, der an drei Seiten Polythyra und im Süden den einzigen Lichthof in Malia besitzt;
hier schließt sich ein kleinerer gepflasterter Vorraum mit einem Lustrationsbecken (2 x 2,50 m) an, dessen Wände mit glattem Stuck verkleidet sind.
In Raum III 2 (eigentlich aus Saal Beta) sind 1936 zwei Prunkschwerter entdeckt worden, darunter  das berühmte Akrobatenschwert, dessen Griff mit einer Goldplatte (Abb) versehen war, die in feiner getriebener Technik einen Akrobaten in Torsion darstellt. Beide Schwerter stammen aus der Altpalastzeit und sind bei der Zerstörung des ersten Palastes verschüttet worden.
Südlich des Lichthofs liegt eine weitere Pfeilerkrypta, ein kleiner Kultraum, in dem einige Libationsgefäße sowie Tontäfelchen und –scheiben mit Hieroglyphenschrift ans Licht gekommen sind.
Im Vorraum von Raum III 8 wude 1923 ein Hieroglyphendepot, das auch einige Linear A Inschriften enthielt, entdeckt. Neue Sondagen haben gezeigt, dass dieses Depot in die Neupalastzeit zu datieren ist und nicht in MMII.
Beide Hallen besitzen eine gemeinsame fünfsäulige Portikus, deren Nordende zum Meer blickt. Die Privaträume, sofern sie als solche zu deuten sind,  befanden sich im Obergeschoß.
Der Hauptsaal wird oft fälschlicherweise Megaron oder sogar Königsmegaron genannt,  der danebenliegende Königinnenmegaron.
Unter dem Lehmboden von Raum IV 7 wurde 1985 eine außergewöhnliche Anlage entdeckt:
an einer abgetragenen Mauer, die nach NS ausgerichtet ist, war eine Art Kiste aus Sandstein platziert, die eine vollständig erhaltene sogenannte “Teekanne” enthielt, die in MMIB datiert wird. Und wird somit als Gründungsdepositum, das mit der Errichtung des ersten Palastes in Verbindung gebracht wird, interpretiert.
Der Zentralhof und seine Nord-Ost-Süd-West-Wände
Der etwa 48 x 23 m große Zentralhof war großteils von einem weißlichen, mehrfach geschichteten Estrich bedeckt und an der südöstlichen, nordwestlichen und nordöstlichen Ecke gepflastert. Er ist das Zentrum der Anlage und dürfte anstelle einer protopalatialen Wohnstätte angelegt worden sein, und besitzt in der Mitte einen tiefer liegenden quadratischen Altar.
Eine in der Palastarchitektur einzigartige eschara oder Brandopferstelle,
die vier rechteckige Lehmziegelbasen aufweist.
Westflügel:
An der Westseite des Zentralhofes liegt eine Gruppe wichtiger Räume, die wohl religiösen Zwecken gedient haben. Die Westfassade besteht in der Mitte aus einfachem Bruchsteinmauerwerk, heute sehr verfallen.
m Norden befindet sich eine schön gepflasterte Loggia (VI 1), deren Plattform wie eine Bühne über den Hof blickt und diente offensichtlich sehr wichtigen religiösen Zeremonien; sie ist über vier breite Stufen zu Seiten eines Pfeilers zugänglich. In der Mitte stand ein Altar oder Opfertisch. Der rechteckige Steinblock ist mit Sicherheit nicht als Basis für einen Thron zu deuten. (Theater-Areal)
Im Zentralhof selbst, gegenüber der Loggia, befindet sich eine tief in den Boden eingesenkte Kugel aus Kalkstein, von ca. 50 cm Durchmesser. Sie wurde unterschiedlich und mit großer Phantasie gedeutet (z.B. türkische Kanonenkugel!) und soll ein dem Kult dienender Baitylos gewesen sein.
Hinter der Loggia führt ein schmales Treppenhaus zwischen zwei Säulen zu einer Raumgruppe hinunter, die zur Verwahrung verschiedener Kultobjekte diente.
1924 wurde im Raum VI 2 unter anderem ein 95 cm langes Prunkschwert und in einem Pithos die Zeremonialaxt aus Schiefer, deren oberer Teil als Protom eines Leoparden mit reichem eingraviertem Dekor, gebildet ist, gefunden. Die danebenliegenden Räume IV 9 und IV 10 wurden aufgrund der Funde als Elfenbeinwerkstätte interpretiert.
Neben der Loggia führt eine eindrucksvolle, breite Schautreppe (VI 8), die Große Treppe, heute mit neun Stufen, die von zwei schmalen seitlichen Treppenläufen flankiert wird, ins Obergeschoß, möglicherweise zu einem Schrein.
Im Bereich der untersten Stufe gibt es südlich einen Steinblock, in dem die Ausnehmung für eine große Tür vorhanden ist. Damit konnte der Zugang zum Hof abgesperrt werden.
Südlich der Treppe befinden sich weitere, sorgfältig gebaute Räume, darunter ein großer gepflasterter Vorraum mit einer Steinbank an der Südwand, der als Audienzsaal oder Thronsaal bezeichnet wird
Dieser Vorraum, dem Altar des Zentralhofs gegenüber gelegen, führt in eine große gepflasterte Pfeilerkrypta (VII 4) mit großen Sandsteinmauern, in deren beide Pfeiler verschiedene Steinmetzzeichen sogenannte Mason’s Marks eingeritzt sind, darunter Doppeläxte, Sterne und ein Dreizack. Diese Zeichen findet man auch an anderen Stellen im Palast.
Die Wände waren wahrscheinlich mit einem rot bemalten Verputz versehen. Wie ihre Gegenstücke in Knossos scheint auch diese Pfeilerkrypta kultischen Zwecken gedient zu haben.
Eine Doppeltür führt von der Krypta aus nach Westen durch eine Serie von Räumen zu einem langen, von Nord nach Süd verlaufenden, 35 m langen, ungepflasterten Korridor C1-2’, von dem aus die neun Westmagazine (I 1-6 und VIII 1-3) des Palstes zugänglich sind. Er wurde später durch ein Trennwand in zwei Abschnitte geteilt.
Die Westseite des Zentralhofs endet im Süden gegenüber dem Südosteingang, mit einer breiten, “Schautreppe” mit vier Stufen, die vielleicht zu Empfangshallen im Obergeschoß führte, was an das “Piano Nobile” von Knossos erinnert; hier standen wahrscheinlich die ZuschauerInnen anläßlich der Kulthandlungen im Zentralhof. Diese Treppenanlage ist vielleicht das Gegenstück zu den “Theaterbezirken” der anderen Paläste, wie Spyridon Marinatos angenommen hat.
In diesem Areal befindet sich auch der berühmte Opfertisch, ein überdimensionaler Kernos (XVI 1), ein großer runder polierter, in den Plattenbelag eingelassener Marmorstein mit 90 cm Durchmesser.
Auf einem Podest in erhöhter Lage, begrenzt von der 4-stufigen Treppe.
Der Südflügel:
Vor der Südwestecke des Palastes, ausschließlich vom Westhof zugänglich,  befinden sich zwei Reihen von vier runden, ausgemauerten Gruben (kouloures) oder Silos, die einen zumeist erhaltenen Mittelpfeiler besitzen und eher als Getreidesilos, denn als Zisternen zu deuten sind.
Ob sie wirklich für Lagerzwecke gedient haben, ist auch nicht sicher, denn es wurden darin MMIII bis SMI Keramik, Lampen und viele Stierhörner gefunden.
Die nach Süden anschließenden Räume bilden eine eigene Einheit. Der einzige Zugang ist im  Süden und führt in einen kleinen Raum, der den Besuchern als äußeres Heiligtum (Plan) diente. Im Bereich zwischen XVIII 1 und XVIII 5 befand sich  eine Wandbank, im Osten eine Trennwand sowie ein Steinaltar mit Ritzzeichen.
Weiters wurden dreibeinige Tischchen, Muscheln, Lampen und 2 Terracotta- Füße ,vergesellschaftet mit  viel Keramik, gefunden. Der Befund eines Depots von Steingefäßen, die im Nebenraum entdeckt wurden, lassen die Vermutung zu, dass die kultischen Handlungen abrupt unterbrochen wurden, höchstwahrscheinlich während der Zerstörung in SMIA.
Durch den nahe gelegenen Südeingang, der im Unterschied zum Nordeingang ohne Schwellen zugänglich ist,  betritt man einen großen, schön gepflasterten Korridor (Vestibül), der am Zentralhof endet.
Östlich davon dehnt sich der kleine, etwas labyrinthische Südflügel (XIV-XV) aus. Durch die ersten Ausgrabungen sind die Schichten durcheinandergeraten, dadurch ist der Befund nicht eindeutig.
Der südöstliche Bereich wird von den Ausgräbern zwar als Wohnquartier angesprochen, da er sich von den anderen Ensembles sehr unterscheidet. Aber in der südlichen Begrenzung wurden 2 Tritionschnecken und 1 Rhytonfragment mit Leopardendekor gefunden, wo sich offensichtlich oberhalb von Raum XIV6 und XIV 7 ein kleines Heiligtum befunden haben muß, das mit einer Stiege im Untergeschoß in Verbindung stand.
Ostflügel:
(Abb) Bei der 34 m langen und 4 m breiten Ostportikus wechseln, wie in Phaestos 7 Pfeiler mit 6 Säulen ab.
An den Seiten der Pfeiler und Basen befinden sich jeweils 3 runde Löcher, die für Holzpflöcke vorgesehen waren.
Die Zwischenräume der Pfeiler-Säulen-Konstruktion waren mit einer Balustrade oder einem niedrigen Holzgitter geschlossen, das vielleicht die Zuschauer während der Stierspiele schützen sollte, wenn diese tatsächlich auf dem Hof stattgefunden haben.
Hinter der Ostportikus liegen die Ostmagazine (XI 1-7), sechs gut erhaltene Räume. Darin sind Rinnen angelegt, die in einen Kanal münden, der das verschüttete Olivenöl und den Wein aufnahm. Da der Kanal wiederum in ein in den Boden eingelassenes Gefäß mündete, ging nichts von den Flüssigkeiten verloren.
Neben dem Eingang befindet sich eine Wandbank.
Am südlichen Ende der Ostportikus befindet sich der unauffällige Südosteingang, ein einfacher gerader 3 m breiter, aber kurzer Durchgang mit einem davor liegenden Propylon.
Modifikationen:
Lehm wurde in Malia häufiger als andernorts eingesetzt. Vorwiegend um einige Modifikationen rasch durchführen zu können. Es dürfte 3 Bauphasen in der Neupalastzeit gegeben haben:
Pelon führt an, dass die unterschiedlichen Mauerkonstruktionen des Westflügels wahrscheinlich chronologisch zu erklären sind: In der 1. Phase kleine Kalksteinblöcke, in der 2. gut geschnittene Sandsteinblöcke. Und für die dritte Phase möglicherweise Lehmziegel.
Die äußere Westfassade, die nach der MMIIB-Zerstörung datiert wird, und wo Mauerteile des früheren Gebäudes erhalten sind, dürfte aus unbearbeiteten Kalksteinblöcken bestanden haben.
Dass die frühe SMIA-Phase die wichtigste Rekonstruktionsphase darstellt, wird durch die Überbauung einer wichtigen MMIII-Mauer im Nordwestteil des Palastes und womöglich einer Mauer unmittelbar nördlich der Silos, nahegelegt.
Pelon präferierte ursprünglich eine frühere Datierung für die letzte Phase, später – nach den Sondagen – verteidigte auch er die SMIA-Datierung. Tests in Raum III 7 ergaben eine Datierung spätes MMIII oder frühes SMIA.
Auch wurde bewiesen, dass die Nord-Portikus des Zentralhofes ebenfalls zu dieser Zeit errichtet wurde, was den Schluß zuläßt, dass die Verkleinerung des Zentralhofes ein ausgeprägtes Merkmal der SMIA-Phase war. Genau in dieser Phase wurden auch die westlichen Seiten aus Lehmziegel errichtet und verschmälerten den Zentralhof.
Pelon schlägt vor, dass die Südmauer des Zentralhofes eine neupalastzeitliche Ergänzung ist, die den Hof noch mehr verkleinerte.
Der südliche Teil wird von einigen Ausgräbern überhaupt als die letzte Ausbaustufe angesehen.
Es gibt einige offensichtliche Veränderungen z.B. bei der Ostwand der Pfeilerhalle VII 4, die Südwand von VIII 3 wurde verstärkt, ebenso die von Raum XX, und noch einige andere Modifikationen sind nachweisbar. Alle Veränderungen datieren in die frühe SMIA-Phase.
Die vielen Umbauten, auf die ich nicht näher eingehen kann, verkomplizierten einen Rundgang durch den Palast in seiner letzten Phase.
Funktion des Palastes
Seit Jahren beschäftigen sich die ForscherInnen mit der Frage: Welche Funktion hatten die Paläste?
Seit Arthur Evans gibt es dafür zahlreiche Ansätze
¬ Die Residenz einer lokalen Herrscherfamilie > politische Funktion
¬ Verwaltungszentrum, aufgrund der zahlreichen Siegelfunde, Magazine > ökonomische Funktion
¬ Kultzentrum  > religiöse Funktion
¬ Sogar Nekropole, ähnlich den ägyptischen Pyramiden wurden von einigen in die Diskussion eingebracht
Ad 1) politische Funktion:
Evan’s Modell, dass der Palast Sitz eines Herrschers oder Priesterkönigs war, der an der Spitze einer hierarchischen Machtstruktur steht, war –und ist teilweise immer noch – weit verbreitet. (I. Schoep “The State of the Minoan Palace, Aegeum 23, 15f)
Doch die neuesten Forschungen, die anhand von Funden und Verwaltungsdokumenten, die die Interaktion von Palästen, Siedlungen, Villen usw. in der Neupalastzeit untersuchen, deuten alle auf ein eindeutig, dezentralisierteres politisches System als in der Altpalastzeit hin.
Das Territorium der Messara-Ebene und gerade Malia legt nahe, dass Quellen der Macht auch außerhalb der Zentralhofgebäude exisitierten.
Vielleicht sollte darum der wertfreie architektonische Begriff Zentralhofgebäude, wie von Shaw vorgeschlagen, dem Begriff Palast vorgezogen werden, da dieser Vorstellungen wie Herrscher, Hierarchie etc. assoziiert.
Dass die Zentralhofgebäude als ein zeremonielles Zentrum dienten, ist aufgrund der archäologischen Funde eindeutig, aber es bleibt unklar, ob sie auch als Residenz einer Herrschergruppe gedient haben.
Ad 2) wirtschaftliche Funktion
Jean-Claude Poursat bezieht sich auf H. van Effenterre und L.V. Watrous, wenn er eine zwischen der Stadt Malia, dem Palast und der Lasithi-Ebene eine wirtschaftliche Interdependenz sieht, und dass die städtische Entwicklung und das palatiale Zentrum mit der Landwirtschaft der Lasithi-Ebene in Zusammenhang steht. Unterstützt wird dieser Ansatz durch die Existenz der Keramik, der sogenannten “Malia Group” die mit der aus Pyrgos korrespondiert. Weiters kann angenommen werden, dass eine hochspezialisierte administrative Organisation während der Altpalastzeit in Malia bestand. H. van Effenterre argumentiert, dass die Architekten dem Westhof ein spezielles Layout verliehen,  um die N-S-Orientierung des Palastes in die älteren Gebäude zu integrieren.
Ad 3 kultisch-religiöse Funktion
In der Neupalastzeit wurden die Fassaden monumentaler ausgestaltet und betonten die pompöse, repräsentative Intention.
Sicherlich hatten insbesondere die Westfassaden einige Funktionen zu erfüllen. Doch wie H. v. Effenterre bemerkt, sehen die Westfassaden aus, als ob sie den Palast von der Stadt isolieren wollten. Es gibt keine großartigen Tore, oder Eingänge an den exponiertesten Stellen. Wie in Knossos sind auch in Malia die Haupteingänge im Norden und Süden. Kurz gesagt: die Westfassade dient nicht als Eingang oder Fassade sondern als Front, von der Stadt gesehen als eine Barriere, oder um eine eindrucksvolle, dominante Sicht auf die “Espalanade” zu bieten, aber ohne direkten Kontakt zum Palast. Somit hätte dieser Teil des Palastes die Aufgabe, die Aktivitäten innerhalb des Palastes vor der einfachen Bevölkerung abzuschirmen. Auffallend ist auch der Umstand, dass der Prozessionsweg exakt bei den Silos endet. Laut Marinatos sind die Silos im Südwesten der Ort, wo die Herbst-Feste stattfanden. Diese Silos waren kommunal aber unter palatialer Kontrolle. Sie postuliert 2 Haupt-Zeremonien, die in Abstimmung mit den jahreszeitlichen Abläufen in Zusammenhang stehen: Eines im Frühjar, wenn die Ernte in die Silos eingebracht wurde, und eines im Herbst, wenn die Saatkörner für die Aussaat geholt wurden.
Die Festivitäten im Westhof hatten während der ersten Palastzeit einen agrarischen ebenso wir offiziellen Charakter.
Geraldine C. Gesell argumentiert, dass der Zugang zum Zentralhof  kontrolliert war, da die engen Passagen leicht abzuriegeln waren, und dass dadurch nur eine begrenzte oder auserwählte Gruppe den Hof betreten konnte, um z.B. an speziellen Riten teilzunehmen. Besonders in der Neupalastzeit. Evidenz für kulturelle Handlungen innerhalb des Palastes bieten der Altar inmitten des Zentralhofes, die Treppen, der Kernos, der kugelförmige Stein.
Neben dem südlichen Haupteingang befindet sich der wichtigste Kultraum, ein kleiner Schrein (Raum XVIII 1) so bezeichnet aufgrund eines kleinen Altars mit eingeritztem Stern, Terracotta-Füßen, die an ein Xoanon denken lassen und Räuchergefäßen (Incense Burners), die in diesem Raum gefunden wurden.
Auch für die Nachpalstzeit kann die kultische Funktion nachgewiesen werden: durch den Schrägbau, der auch als Tempel angesprochen wird. Diese Einrichtungen hätten nicht nur für die potentielle königliche Herrscherfamilie, sondern für einen speziellen Personenkreis (PriesterInnen) Bedeutung gehabt.
N. Marinatos erweitert diesen Ansatz noch, indem sie die Funktion des Schreins in Malia nur in Verbindung mit dem offenen Raum des Zentralhofes begründet sieht.
Rituale in Malia
Das in der minoischen Ikonographie am meisten dargestellte Ritual ist die Taurokathapsia, das Stiersprungspiel. Von zahlreichen Siegeldarstellungen,Fresken, Elfenbeinstatuetten etc. ist es uns geläufig.
Viele Archäologen bringen den Stiersprung mit dem Zentralhof in Verbindung. Obwohl es auch Gegenargumente gibt, die aufgrund der architektonischen Struktur (gepflasterter Hof) dieses ausschließen.
Gerade der Altar im Zentralhof von Malia, der bisher keine Parallelen aufweist, unterstützt die Meinung einiger Gelehrter, dass die Stiersprung-Rituale außerhalb des Palastes stattgefunden haben müssen. Grahams Untersuchungen der architektonischen  Reste in Malia lösen das Dilemma der Gegner der Zentralhof-These, nämlich wie kann das Publikum gefahrlos dem Stiersrpung-Ritual zusehen?
Laut Graham diente die Konstruktion östlich des Zentralhofes als Palisade um die offene Arena während des Wettkampfes abzuschirmen. Er belegt diese Einrichtung mit dem Grand Stand Fresko von Knossos. Der zweite Stock und die Loggia im Nordwest-Flügel sind geeignet um einer großen Anzahl an Zuschauern Platz zu bieten. Auch Pelon, unterstützt die Zentralhof-Theorie, denn welch anderen Grund gäbe es sonst für die Absperrmöglichkeiten innerhalb des Zentralhofes? Er argumentiert sogar, dass die Räume X 1b, X ic und X 1 d im Nordosten Boxen für die Stiere waren, wo sie vor dem Ritual verwahrt waren. Es erscheint auch plausibel, da diese Räume als einzige direkt nach außen führten und die Tiere dadurch rein- und rausgeführt werden konnten, ohne den Palast zu betreten.
Die Steinkugel im Zentralhof befindet sich exakt gegenüber der Loggia. James Thompson deutet dieses Objekt als “Sprungbrett” für die Stierspringer (Foto), wobei die Vertiefung den Punkt markiert, wo der Akrobat mit dem Fuß zum Absprung aufsetzte.
Der Siegelabdruck aus Priene (ABB), zeigt ebenfalls einen Stierspringer, der von einer Plattform abspringt.
Angeregt durch die Arbeiten von Jan Driessen, Mac Donald, MacGillivray und vor allem Lucy Goodison möchte ich eine weitere mögliche Interpretation anfügen.
In einer 2001 veröffentlichten Studie von Lucy Goodison wurde durch Experimente im Vorraum  des Thronraums von Knossos demonstriert, dass Mithilfe der  Polythyra bei Sonnenaufgang anläßlich der Sonnenwenden (Solstitien) und Tag- und Nachtgleichen (Äquinoktien) spezielle Teile des Thronraums illuminiert wurden und den Ablauf eines Rituals, das dort stattgefunden hatte (Ephiphanie?) dramatisch in Szene setzte. Das würde auch erklären, warum die Zentralhöfe und damit die Palastanlagen so ausgerichtet waren, um das direkte Sonnenlicht zu speziellen Zeitpunkten im Jahreslauf zu empfangen und bestimmte Punkte zu beleuchten. Parallelen zu diesem Gedanken finden wir auch bei anderen Kulturen von den Kreisgrabenanlagen in Östereich über Stonehenge, bis zu Ägypten und den mesoamerikanischen Kulturen.
Die minoischen Paläste haben viele gemeinsame architektonische Merkmale :
Und doch fällt auf, dass jeder Palast etwas aufweist, das ihn einzigartig macht = genus loci (den Geist des Ortes)
Seien es die Vielzahl an Fresken wie in Knossos, die runden Becken wie in Kato Zakros oder die Kernoi wie in Malia.
Deshalb möchte ich jetzt die Aufmerksamkeit auf diese sogenannten Kernoi lenken.
Der Kernos:
Ein Kernos wird in der Literatur als schüsselförmiges Gefäß mit einem Kranz kleiner Schalen für Opfergaben definiert, wo anläßlich der Panspermien, die Erstlingsfrüchte bzw. Samen geopfert wurden.
Wenn man aber den Kernos von Malia genauer betrachtet, fällt auf, dass er völlig anders aussieht. Die für die Opfergaben vorgesehenen Vertiefungen sind eigentlich sehr klein, und es sind auch weitaus mehr  als bei den üblichen Kernoi. Nämlich 32 kleine gleich große, regelmäßig entlang des Randes angeordnet, 1 große zentrale und eine mittelgroße, die exakt nach Süden ausgerichtet ist. Der fast ständig präsente Wind in der Ebene nahe dem Meer würde die Opfergaben, seien es Hülsenfrüchte, Samen oder flüssige Opfer schneller verblasen oder verdunsten lassen, als die Rituale höchstwahrscheinlich andauerten. Es wurde auch noch ein zweiter Kernos (im Bild rechts) im Raum VII 13 (Abb) (im Westflügel) gefunden, dessen Vertiefungen aber noch viel flacher sind. (Abb) Und einer aus Konglomerat in der Nekropole von Chrysolakkos
Auffälig ist auch die exponierte Lage im Palast, auf einem “Altar” unter freiem Himmel, fest verankert, das Material ist Marmor, Sidéropétra oder Konglomerat, aber  nicht Ton.
Alle diese Merkmale lassen für mich den Schluß zu, dass es sich dabei nicht um einen herkömmlichen Kernos oder wie einige auch interpretieren um ein Spielbrett handelt, sondern um einen bronzeitlichen Gnomon.
(>) Ein Gnomon ist ein Meßinstrument ähnlich einer Sonnenuhr, mit dem man den Sonnenschatten beobachten kann, um astronomische Größen zu bestimmen. In der Antike wurde der Gnomon auch zur Bestimmung der geografischen Breite eines Ortes, der Nordrichtung, der Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) und der Sonnenwenden (Solstitien) verwendet.
Der Kernos könnte sogar ein Kalender sein, der über den Ablauf eines Sonnenjahres hinausging, eine Art “100-jähriger” Kalender, indem auch die Schaltjahre vermerkt waren, z.B. durch unterschiedliche Färbung der Vertiefungen.
Die 32 kleinen Vertiefungen könnten für die Sonnenjahre stehen. Denn in 32 Sonnenjahren vergehen 33 Mondjahre.
Dadurch wäre es sogar ein Lunisolarkalender, mithilfe dessen nicht nur die Zeitpunkte für die Aussaat und Ernte  wichtigen Termine ablesbar waren, sondern die für die minoische Gesellschaft bedeutenden Festivitäten, die im Einklang mit den jahreszeitlichen Abläufen den Zusammenhalt der Societäten und die florierende Wirtschaft garantierten.Nicht zuletzt die Saison für die Schifffahrt und somit den überaus wichtigen Handel terminisierten.
Hier zum Vergleich ein Beispiel von den Wikingern, datiert um 1.000 n. Chr., das auch exakt 32 Kerben entlang des Randes aufweist.
(Fotos Wikinger etx.)
Es wäre sicher ein spannendes Experiment, gemeinsam mit einem Astroarchäologen diesen Ansatz weiter zu verfolgen, bzw. den “Kernos” dahingehend zu untersuchen, der vielleicht ein weiterer Puzzlestein zum Verständnis der Funktion minoischer Paläste, zumindest des Palastes von Malia darstellt.
In diesem Zusammenhang sind vielleicht auch die Pfeiler mit den sogenannten “Mason’s Marks” näher zu betrachten. Sie könnten Visur-Linien, die mit den Berggipfeln des südlichen Gebirges in Verbindung standen, bedeuten und zur Anpeilung und Markierung bestimmter Himmels-, oder Sternkonstellationen, fungiert haben. Darum erscheint mir auch die geographische Lage der Paläste, die immer  in Reichweite oder  Verbindung mit Bergen errichtet wurden, nicht zufällig gewählt.
Die ominöse kugelförmige Steinformation im Zentralhof ist ebenso alleinstehend in der palatialen Architektur wie die Kernoi in Malia und könnte auch mit astronomischen Beobachtungen in Zusammenhang stehen.
Interpretationen:
(>)  Lt. Olivier Pelon Zusammenfassung:
Der Palast von Malia erscheint also als ein multifunktionales Gebäude. Eine königliche Persönlichkeit auch ohne dass dies formal beweisbar ist, zeigt sich deutlich im ganzen Nordwest-Teil des Bauwerkes, wo offensichtlich politische und religiöse Aktivitäten ihren Platz hatten:
Die Polythyra, die Loggia, der Bankettsaal im Obergeschoß sind Prunkräume, die kaum vorstellbar sind, ohne eine Person, die Macht innehatte oder eine außergewöhnliche Rolle spielte. Die Ausübung des Kultes konzentriert sich auf den Zentralhof und die angrenzenden Räume in den verschiedenen Formen, die oft anderswo besser illustriert sind als in Malia. Im besonderen exisitiert in Malia kein einziges Bild einer Gottheit, um das dieser Kult organisiert war; allerdings erkennt man an dem Fellinen-Symbol (die Leoparden-Axt) das sie begleitet, das Feiern von Agrar- und Opferriten, deren Bühne der Zentralhof war.
Jan Driessen schließt die Funktion als Wohnstätte eines Herrschers aus 2 plausiblen Gründen aus: 1. Bis zum Vulkanausbruch von Thera bzw. der Übernahme durch die Mykener, waren die minoischen Gräber nicht für Individuen angelegt, sondern weisen gemeinschaftliche Bestattungen auf. Und 2. spricht die architektonische Anlage, die mit dem “circulation pattern” immer von den Eingängen, wenn auch kontrolliert, direkt zum Zentralhof führten, wo die Rituale stattfanden, nicht für die Annahme einer Residenz.  Auch hat der Thronraum in Knossos für ihn mehr religiösen als politischen Charakter. So wenn es keinen Herrscher gab, was dann?
Er schlägt vor, dass ab der Mitte des 3. Jtds die Zentralhöfe den Ursprung für das, was wir heute minoischen Palast bezeichnen, darstellte.  Die MMIB-Periode um 2.000 v.Chr. wird als die Phase der ersten Paläste angesehen. Durch die kürzlichen Ausgraben im Palast von Malia wurde nun eindeutig festgestellt, dass Teile des Palastes und der Zentralhof bereits in die Mitte des 3.Jtds. datieren und somit in FMIIB datieren. Und somit eine Entscheidung der Bevölkerung darstellen, eine exisitierende Siedlung komplett umzugestalten.
Ich schließe mich der Interpretation von Jan Driessen und von Alexander MacGillivray an, der sagt, dass die kretischen Paläste und Heiligtümer lebendige Orte waren, wo die Gemeinschaft zusammentraf, um den ersten Tag jedes Monats zu feiern, die Mond und Sonnenphasen und die 5 sichtbaren Planeten und alle anderen relevanten Festivitäten, die sie der fruchtbaren Erde widmeten. Und damit ihre wirtschaftliche Position im Mittelmeer begründeten und ihre außerordentliche Kultur entwickelten.

Der Palast von Malia hat eine Grundfläche von 7.500 m2 und ist wie alle minoischen Paläste nach NS ausgerichtet. Hinsichtlich Bauart und Ausstattung ist er kleiner und auch bescheidener (rustikaler) im Vergleich zu Knossos und Phaestos.Einige  Merkmale stechen aber sofort ins Auge, die ihn von allen anderen unterscheidet und identifiziert: die in der SW-Ecke gelegenen 8 kouloures oder Silos, wie sie in der Literatur genannt werden, ebenso der Schrägbau beim Nordhof und der Altar im Zentralhof.
Die Baumaterialien:(>) Die Baumaterialen bestehen aus lokalem Gestein wie Ammouda, ein harter ockergelber bis rotbrauner Sandstein, wo die Steinbrüche entlang der Küste noch sichtbar sind. Mit Hilfe von  Säge oder Beil wurden daraus Blöcke geschnitten, von denen die Westfassade das beste Beispiel darstellt. Sidéropétra, ein blaugrauer Kalkstein, der in der Umgebung weit verbreitet ist, aber  viel schwerer als Sandstein zu bearbeiten ist, wurde für die weniger bedeutenden Fassaden verwendet. Selten und für spezielle Anwendungen wurde weißer Marmor für bestimmte Säulenbasen, und den großen Kernos, weiters Konglomeratgestein und schließlich Schiefer für Bodenplatten und Schwellen verwendet.An den externen Wegen und im Vestibül des Südeingangs wurde Aspropétra, ein Muschelkalk verlegt. Gips bzw. Alabaster fehlt – im Gegensatz zu Knossos oder Phaestos – in Malia gänzlich.
(>) Die rote Erde, mit Stroh vermengt, diente als Mörtel bzw. Wandverkleidung oder als Ziegel für die  Zwischenwände im EG und (>) zweifellos im Obergeschoß, das heute aber nicht mehr vorhanden ist.Holz war sicher auch unter den Baummaterialien, wobei es sich lediglich durch Aushöhlungen im Mauerwerk oder in den Zapfenlöchern der Sandsteinblöcke, nachvollziehen läßt.Gleichzeitig diente das Holz der Elastizität, um die Gebäude vor den Erdbeben zu schützen.Die runden Säulen und gelegentlich Pfeiler waren auch aus Holz gefertigt, und der Abdruck eines Säulenschaftes zeigte, dass in Malia wie in Knossos, die Säulen am Kapitel breiter waren als an der Basis. Schließlich kann man davon ausgehen, dass Holz und Erde das vorwiegende Baumaterial im Stockwerk bildete.Stuck, ein Verputz aus Kalk, unterschiedlicher Stärke und Konsistenz wurde sowohl als Bodenbelag verwendet als auch um Unregelmäßigkeiten im Mauerwerk auszugleichen. Der Stuck könnte mit verschiedenen Farben (elfenbein, rot, ockergelb) bemalt gewesen sein, und diente vielleicht als Untergrund für Wandgemälde, von denen aber in Malia keine erhalten sind.

Konstruktion:
(>) Wie bei den anderen Paläste sind auch in Malia die Räume um einen Zentralhof angeordnet, allerdings weniger mittig, deutlich gegen Osten und Süden verschoben, aber ebenso nach Nord-Süd ausgerichtet. Um diesen Zentralhof sind die Quartiers oder Ensembles angeordnet, deren Kommunikation durch Korridore bzw. Wege ermöglicht wurde. Jedem dieser Quartiers wurde eine spezielle Funktion zugewiesen, jedoch sollte jedes dieser Raumensembles eigenständig betrachtet werden, bevor es in den Gesamtplan eingeordnet wird.Olivier Pelon differenziert 4 funktionelle Bereiche: repräsentative, häusliche, kultisch-religiöse und wirtschaftliche (Magazine)
Ausgehend vom Zentralhof, sozusagen zentrifugal sind die Quartiers angeordnet. Dadurch ergeben sich auch die typischen Vor- und Rücksprünge der minoschen Palastfassaden.Den Fassaden wurde unterschiedliche Bedeutung beigemessen:
(>) Zweifellos ist auch in Malia die Westfassade die wichtigste. Im Zentrum besteht sie aus sorgältig behauenen, quaderförmigen Sandsteinblöcken, die auf einem Sockel entlang der ganzen Breite aufgebaut sind. (Ashlar masonry)  An den äußerren Enden mit Kalksteinblöcken. Sie repräsentieren mehr als alles andere die typischen Charakteristika minoischer Fassaden, eine Folge von vor- und rückspringenden Mauern.
(>) Der Westfassade ist ein großer Hof, der Westhof vorgelagert. (100 m lang und 20 m breit) Lt. Pelon konstituiert er eine Übergangszone aus Siedlung und Palast, zwischen Bürgerlichem und Politischem, zwischen Profanem und Religiösem. Ursprünglich war der ganze Westhof als Kalderim angelegt, darüberhinaus wird er von 1,05 m breiten Muschelkalkplatten durchquert Diese Wege, die “raised walks”  werden oft als Prozessionswege, tituliert, scheinen aber generell zu den wichtigsten Punkten des Gebäudes zu führen. Der Westhof wird im Norden und Süden von interessanten Komplexen begrenzt:Im Norden durch das viel diskutierte Ensemble, “Hypostyle Krypta” genannt, eine Flucht an Räumen, die unterirdisch mit einer Reihe von Magazinräumen verbunden ist, deren Böden stuckiert sind, mit Abflußrinne und Sammelbecken versehen. Der Ausgräber Henri van Effenterre hat darin einen Versammlungsort von 2 Räten, den der Alten und den der Jungen, die über die Stadt zur Zeit der ersten Paläste regiert haben, gesehen.Im Süden wurden teilweise große Magazinräume freigelegt, die architektonisch nicht mit dem Palast verbunden waren, aber die offensichtlich eine enge Verbindung in der protopalatialen Zeit hatten. Einige dieser Räume enthalten noch zahlreiche Pithoi.

Datierung Überblick:
Durch die Sondagen hat sich folgende Datierung ergeben:1. Es existiert ein  Kern, aus FMIII-MMIA (Mitte des 3. Jtds. 2.300-1.900), d.h. es gibt eine prepalatiale Periode und zwar entlang der Westfassade (Quartier I) aber auch im Norden des Zentralhofes (Quartier IX)2. Die Konstruktion des 1. Palastgebäudes in der Altpalastzeit MMIB-MMII (1.900 – 1.700) weist eine Fläche analog der Neupalastzeit auf.3. In der Neupalastzeit gibt es eine Aufeinanderfolge zweier großer Bauphasen (in MMIII und SMIA 1.700 – 1.450 v. Chr. Der erste Palast wurde in der Altpalastzeit MMIB – MMII ca. 1900 v. Chr. errichtet, der wahrscheinlich durch ein Erdbeben um 1700 v. Chr. zerstört wurde.In dieser Zeit  entsteht ein “städtisches” Zentrum mit Siedlungen, dem Palast, Villen, Werkstätten und Nekropolen. Von dieser Phase – durch die Sondagen in letzter Zeit – ist im Palast leider nur noch wenig sichtbar (Plan I)Aber die den Palast nordwestlich umgebenden Baukomplexe wie “Hypostyle Krypta”, “Agora” und das “Quartier Mu” belegen das “politische Zentrum” zu dieser Zeit. Der neue Palast, dessen Ruinen heute noch sichtbar sind, wurde in MMIII ca. 1650 v. Chr. errichtet und um ca. 1450 v. Chr SMIA endgültig zerstört, wie Phaestos, Kato Zakros. Höchstwahrscheinlich ist der Vulkanausbruch von Thera als Ursache anzusehen oder die darauf folgenden Erdbeben bzw. ein paralleles Eindringen der Mykener vom Festland.

Nordflügel:
(>) Es gibt 5 Eingänge in den Palast, wobei im Norden und Süden die Haupteingänge liegen.Im Norden besteht der Eingang aus einem doppelten System von massiven Schwellen, zu dem ein leicht erhöhter plattenbelegter Prozessionsweg von der “Hypostylen Krypta”  führt. (Abb.)Was ein Indiz für einen “kontrollierten” Eingang darstellt.(Abb. Plan) Unmittelbar in der Nähe befinden sich die 6 Magazinräume, südlich davon der gepflasterte Nordhof, in dem sich noch die Reste von Säulenbasen erhalten haben. Zugang zum Nordhof bietet auch der  Nord-Ost-Eingang.
(>) Die 2 großen Pithoi stammen ursprünglich aus den Nordmagazinen, darunter der Medaillon-Pithos.
(>) Im Bereich der östlichen Außenmauer wurde ein Steinrhyton in Form einer Tritonmuschel, auf der im Relief 2 minoischen Genien mit einer Kanne darstellt sind, gefunden und in die Neupalastzeit datiert.
Der geplasterte Nordhof wird von mehreren Konstruktionen begrenzt:Im Westen, außergewöhnlich im Zusammenhang eines Palastes, das Ensemble XXVIII, eine unabhängige Einheit, die einerseits den Nordhof und andererseits den Nordwesthof begrenzt. Im Boden des Raumes XXVIII 2 wurde unter einem riesigen Pithos ein Öltrenner ausgegraben, sowie das einzige Exemplar der “horns of consecration” aus Malia (Foto)
(>) Der Schrägbau (XXIII 2) , ein kleines rechteckiges Gebäude mit den Maßen 5,50 x 4,70 m, überschneidet die Halle des Nordhofes (>) eigenartig, und weist dadurch auf eine zeitlich spätere (>) Entstehungszeit hin. (>) In der Literatur wird es als mykenischer Tempel, der aus den Ruinen des zerstörten Palastes erbaut wurde, angesprochen.

(>) Der Raum im Osten wurde als Küche interpretiert, aufgrund einer Konstruktion, die als Herd gedeutet wird. In diesem Raum wurde auch ein Depot von Bronze-Werkzeugen gefunden (3 Dolche und 1 Meißel), was eine Seltenheit im Palast darstellt.Die anderen Räume im Ostsektor als Ställe, worauf ich später noch eingehen werdeGleich an den Nordhof schließt der Nord-Westhof an. Er ist etwas länger und ein bißchen schmäler als der Nordhof. Die Südostecke des Nordwesthofs wird von einem Gebäudeblock, bestehend aus 3 Räumen (Quartier V) beherrscht, der gleichzeitig aus der südlichen Mauerlinie hervorspringt.
(>) Die Fassade besteht aus riesigen, sorgfältig behauenen Kalksteinblöcken und trägt jetzt die Bezeichnung “donjon” (Turm). Die beiden ersten Räume waren mit Gefäßen angefüllt, die höchstwahrscheinlich vom oberen Stockwerk heruntergefallen sind. (>) Über eine Tür, deren Schwelle heute noch sichtbar ist, konnte man in den Raum V3 gelangen und somit zur Nordwestecke des Zentralhofs.
(>) Auf der N-Seite des Zentralhofes sind die 11 Marmorbasen einer Portikus erhalten, die zwar  unterschiedliche Formen und Größe aufweisen, aber ziemlich regelmäßige Abstände. (>) Mit Ausnahme der östlichen und westlichen Eingänge zum Hof.
(>) Dahinter befindet sich eine große Gruppe von Räumen. Die große (>) Pfeilerhalle oder “Salle Hypostyle” (nicht zu verwechseln mit der “Hypostylen Krypta”, die außerhalb des Palastes liegt) (IX), in der zwei assymetrische Reihen von insgesamt sechs Pfeilerbasen erhalten sind. (>) Über dieser Pfeilerhalle lag vielleicht eine  für rituelle Bankette bestimmte große Säulenhalle, zu der im Osten eine zweiläufigeTreppe (IX a und IXb) hinaufführte und von der aus die Anwesenden einen weiten Blick über den Hof genossen.Unter dem Boden von IX b wurde 1978 ein Tontäfelchen mit Linear A-Schrift entdeckt. Möglicherweise Teil eines Archivs.
(>) An der SW-Ecke des Vestibüls XXI 1 beginnt der gepflasterte Korridor C’, der direkt zum Zentralhof führt. Am Eingang dieses Korrdors befindet sich eine zweiflügelige Tür.Auch wenn der Zugang zum Hof direkt war, wurde er doch kontrolliert.
(>) Der Nord-West-Trakt (Abb) öffnet sich im N zu einem großen Raum, der heutzutage von Mauern, die im Zuge der Ausgrabungen abgetragen wurden, durchkreuzt wird und dadurch den Eindruck des Bauwerks verfälscht. In Wirklichkeit war diese Fläche eine Art Esplanande, ohne Bauteile. Dadurch erklärten die Ausgräber dieses Areal zum Garten. Auch wenn diese Hypothese interessant erscheint, ist sie nicht fundiert. Die heute sichtbaren Mauern gehören zum 1.Palastbau, also der Altpalastzeit, aus dem der große Pithos mit Schnurdekor (Foto) stammt, der jetzt neben dem Nordeingang steht.
Die protopalatialen Teile des NW Flügels(>) Man kann in diesen abgetragenen Mauern der “Esplanade” einen Plan erkennen, der zeigt, dass es sich sehr wohl um einen Teil des Palastgebäudes handelte, denn die OW-orientierten länglichen Räume, erinnern an Magazine und münden in einen NS-ausgerichteten “Zubringergang” . Das gleiche Schema wie im neupalastzeitlichen Bau. An der O-Seite gibt es einen kleinen Hof mit Stuckboden, mit einer gewinkelten Portikus, von der einige Säulenbasen erhalten sind.
Unterhalb der Viertel III und IV des Neuen Palastes verlängern sich diese Bauten. Die Sondagen von 1936 und 1946 von Chapoutier und größere Abtragungen 1981 und 82 von Olivier Pelon haben unter den Sälen III 1 und III 7a gut erhaltene Säle ans Licht gebracht, die bisher unbekannte Aspekte der protopalatialen Architektur von Malia zeigen.Die Überlagerung von 2 architektonisch interessanten Schichten verbot es aber, die untere Schicht auf Kosten der anderen ungedeckt zu lassen, daher hat man die protopalatialen Bauteile wieder zugeschüttet. Lediglich Zeichnungen existieren jetzt davon. (Abb Plan Alpha, Beta, Gamma) (>) 3 Räume sind abgedeckt worden, zum westlichen Saal Alpha gehören 2 sichtbare Säulenbasen vor der West-Fassade,Beta = großer Saal 9 x 7 m mit Stuckboden und ein ungewöhnliches System aus Plattformen, Rinnsaalen und Sammelbecken. Der Saal Gamma hat in der Mitte statt eines Sandsteinpfeilers einen doppelten Holzpfosten. (>) Hier die Rekonstruktion des Salles Beta
Die königlichen Gemächer(>) Über diesen Sälen liegt nun das  Quartier d’Apparat, die sogenannten Königlichen Gemächer. Hier ist das sogenannte Megaron lokalisiert worden, ein Saal mit gepflastertem Fußboden, der an drei Seiten Polythyra (>) und im Süden den einzigen Lichthof in Malia besitzt; (>) hier schließt sich ein kleinerer gepflasterter Vorraum mit einem Lustrationsbecken (2 x 2,50 m) an, dessen Wände mit glattem Stuck verkleidet sind. (>)In Raum III 2 (eigentlich aus Saal Beta) sind 1936 zwei Prunkschwerter entdeckt worden, darunter  das berühmte Akrobatenschwert, dessen Griff mit einer Goldplatte (Abb) versehen war, die in feiner getriebener Technik einen Akrobaten in Torsion darstellt. Beide Schwerter stammen aus der Altpalastzeit und sind bei der Zerstörung des ersten Palastes verschüttet worden.
(>) Südlich des Lichthofs liegt eine weitere Pfeilerkrypta, ein kleiner Kultraum, in dem einige Libationsgefäße sowie Tontäfelchen und –scheiben mit Hieroglyphenschrift ans Licht gekommen sind.Im Vorraum von Raum III 8 wude 1923 ein Hieroglyphendepot, das auch einige Linear A Inschriften enthielt, entdeckt. Neue Sondagen haben gezeigt, dass dieses Depot in die Neupalastzeit zu datieren ist und nicht in MMII.Beide Hallen besitzen eine gemeinsame fünfsäulige Portikus, deren Nordende zum Meer blickt. Die Privaträume, sofern sie als solche zu deuten sind,  befanden sich im Obergeschoß. Der Hauptsaal wird oft fälschlicherweise Megaron oder sogar Königsmegaron genannt,  der danebenliegende Königinnenmegaron.
Unter dem Lehmboden von Raum IV 7 wurde 1985 eine außergewöhnliche Anlage entdeckt: (>) an einer abgetragenen Mauer, die nach NS ausgerichtet ist, war eine Art Kiste aus Sandstein platziert, die eine vollständig erhaltene sogenannte “Teekanne” enthielt, die in MMIB datiert wird. Und wird somit als Gründungsdepositum, das mit der Errichtung des ersten Palastes in Verbindung gebracht wird, interpretiert.
Der Zentralhof und seine Nord-Ost-Süd-West-Wände
(>)  Der etwa 48 x 23 m große Zentralhof war großteils von einem weißlichen, mehrfach geschichteten Estrich bedeckt (>) und an der südöstlichen, nordwestlichen und nordöstlichen Ecke gepflastert. Er ist das Zentrum der Anlage und dürfte anstelle einer protopalatialen Wohnstätte angelegt worden sein, und besitzt in der Mitte einen tiefer liegenden quadratischen Altar. (>)  Eine in der Palastarchitektur einzigartige eschara oder Brandopferstelle, (>) die vier rechteckige Lehmziegelbasen aufweist.
Westflügel:(>)  An der Westseite des Zentralhofes liegt eine Gruppe wichtiger Räume, die wohl religiösen Zwecken gedient haben. Die Westfassade besteht in der Mitte aus einfachem Bruchsteinmauerwerk, heute sehr verfallen. (>) Im Norden befindet sich eine schön gepflasterte Loggia (VI 1), deren Plattform wie eine Bühne über den Hof blickt und diente offensichtlich sehr wichtigen religiösen Zeremonien; (>) sie ist über vier breite Stufen zu Seiten eines Pfeilers zugänglich. In der Mitte stand ein Altar oder Opfertisch. Der rechteckige Steinblock ist mit Sicherheit nicht als Basis für einen Thron zu deuten. (Theater-Areal)(>) Im Zentralhof selbst, gegenüber der Loggia, befindet sich eine tief in den Boden eingesenkte Kugel aus Kalkstein, von ca. 50 cm Durchmesser. Sie wurde unterschiedlich und mit großer Phantasie gedeutet (z.B. türkische Kanonenkugel!) und soll ein dem Kult dienender Baitylos gewesen sein.(>) Hinter der Loggia führt ein schmales Treppenhaus zwischen zwei Säulen zu einer Raumgruppe hinunter, die zur Verwahrung verschiedener Kultobjekte diente. (>) 1924 wurde im Raum VI 2 unter anderem ein 95 cm langes Prunkschwert (>) und in einem Pithos die Zeremonialaxt aus Schiefer, deren oberer Teil als Protom eines Leoparden mit reichem eingraviertem Dekor, gebildet ist, gefunden. Die danebenliegenden Räume IV 9 und IV 10 wurden aufgrund der Funde als Elfenbeinwerkstätte interpretiert.
(>) Neben der Loggia führt eine eindrucksvolle, breite Schautreppe (VI 8), die Große Treppe, heute mit neun Stufen, die von zwei schmalen seitlichen Treppenläufen flankiert wird, ins Obergeschoß, möglicherweise zu einem Schrein. (>) Im Bereich der untersten Stufe gibt es südlich einen Steinblock, in dem die Ausnehmung für eine große Tür vorhanden ist. Damit konnte der Zugang zum Hof abgesperrt werden.
(>) Südlich der Treppe befinden sich weitere, sorgfältig gebaute Räume, darunter ein großer gepflasterter Vorraum mit einer Steinbank an der Südwand, (>) der als Audienzsaal oder Thronsaal bezeichnet wird (>) Dieser Vorraum, dem Altar des Zentralhofs gegenüber gelegen, führt in eine große gepflasterte Pfeilerkrypta (VII 4) mit großen Sandsteinmauern, in deren beide Pfeiler verschiedene Steinmetzzeichen sogenannte Mason’s Marks eingeritzt sind, (>) darunter Doppeläxte, Sterne und ein Dreizack. Diese Zeichen findet man auch an anderen Stellen im Palast.Die Wände waren wahrscheinlich mit einem rot bemalten Verputz versehen. Wie ihre Gegenstücke in Knossos scheint auch diese Pfeilerkrypta kultischen Zwecken gedient zu haben. (>) Eine Doppeltür führt von der Krypta aus nach Westen durch eine Serie von Räumen zu einem langen, von Nord nach Süd verlaufenden, 35 m langen, ungepflasterten Korridor C1-2’, von dem aus die neun Westmagazine (I 1-6 und VIII 1-3) des Palstes zugänglich sind. Er wurde später durch ein Trennwand in zwei Abschnitte geteilt. (>)  Die Westseite des Zentralhofs endet im Süden gegenüber dem Südosteingang, mit einer breiten, “Schautreppe” mit vier Stufen, die vielleicht zu Empfangshallen im Obergeschoß führte, was an das “Piano Nobile” von Knossos erinnert; hier standen wahrscheinlich die ZuschauerInnen anläßlich der Kulthandlungen im Zentralhof. Diese Treppenanlage ist vielleicht das Gegenstück zu den “Theaterbezirken” der anderen Paläste, wie Spyridon Marinatos angenommen hat.(>)  In diesem Areal befindet sich auch der berühmte Opfertisch, ein überdimensionaler Kernos (XVI 1), ein großer runder polierter, in den Plattenbelag eingelassener Marmorstein mit 90 cm Durchmesser.(>) Auf einem Podest in erhöhter Lage, begrenzt von der 4-stufigen Treppe.
Der Südflügel:
(>) Vor der Südwestecke des Palastes, ausschließlich vom Westhof zugänglich,  befinden sich zwei Reihen von vier runden, ausgemauerten Gruben (kouloures) oder Silos, (>) (>) die einen zumeist erhaltenen Mittelpfeiler besitzen und eher als Getreidesilos, denn als Zisternen zu deuten sind.Ob sie wirklich für Lagerzwecke gedient haben, ist auch nicht sicher, denn es wurden darin MMIII bis SMI Keramik, Lampen und viele Stierhörner gefunden.
(>) Die nach Süden anschließenden Räume bilden eine eigene Einheit. Der einzige Zugang ist im  Süden und führt in einen kleinen Raum, der den Besuchern als äußeres Heiligtum (Plan) diente. Im Bereich zwischen XVIII 1 und XVIII 5 befand sich  eine Wandbank, im Osten eine Trennwand sowie ein Steinaltar mit Ritzzeichen. Weiters wurden dreibeinige Tischchen, Muscheln, Lampen und 2 Terracotta- Füße ,vergesellschaftet mit  viel Keramik, gefunden. Der Befund eines Depots von Steingefäßen, die im Nebenraum entdeckt wurden, lassen die Vermutung zu, dass die kultischen Handlungen abrupt unterbrochen wurden, höchstwahrscheinlich während der Zerstörung in SMIA.
Durch den nahe gelegenen Südeingang, der im Unterschied zum Nordeingang ohne Schwellen zugänglich ist,  betritt man einen großen, schön gepflasterten Korridor(>)  (Vestibül), der am Zentralhof endet. (>) Östlich davon dehnt sich der kleine, etwas labyrinthische Südflügel (XIV-XV) aus. Durch die ersten Ausgrabungen sind die Schichten durcheinandergeraten, dadurch ist der Befund nicht eindeutig.Der südöstliche Bereich wird von den Ausgräbern zwar als Wohnquartier angesprochen, da er sich von den anderen Ensembles sehr unterscheidet. Aber in der südlichen Begrenzung wurden 2 Tritionschnecken und 1 Rhytonfragment mit Leopardendekor gefunden, wo sich offensichtlich oberhalb von Raum XIV6 und XIV 7 ein kleines Heiligtum befunden haben muß, das mit einer Stiege im Untergeschoß in Verbindung stand.

Ostflügel:(Abb) Bei der 34 m langen und 4 m breiten Ostportikus wechseln, wie in Phaestos 7 Pfeiler mit 6 Säulen ab. (>) An den Seiten der Pfeiler und Basen befinden sich jeweils 3 runde Löcher, die für Holzpflöcke vorgesehen waren. (>) Die Zwischenräume der Pfeiler-Säulen-Konstruktion waren mit einer Balustrade oder einem niedrigen Holzgitter geschlossen, das vielleicht die Zuschauer während der Stierspiele schützen sollte, wenn diese tatsächlich auf dem Hof stattgefunden haben.(>) Hinter der Ostportikus liegen die Ostmagazine (XI 1-7), sechs gut erhaltene Räume. Darin sind Rinnen angelegt, die in einen Kanal münden, der das verschüttete Olivenöl und den Wein aufnahm. Da der Kanal wiederum in ein in den Boden eingelassenes Gefäß mündete, ging nichts von den Flüssigkeiten verloren. (>) Neben dem Eingang befindet sich eine Wandbank. (>) Am südlichen Ende der Ostportikus befindet sich der unauffällige Südosteingang, ein einfacher gerader 3 m breiter, aber kurzer Durchgang mit einem davor liegenden Propylon.
Modifikationen:
Lehm wurde in Malia häufiger als andernorts eingesetzt. Vorwiegend um einige Modifikationen rasch durchführen zu können. Es dürfte 3 Bauphasen in der Neupalastzeit gegeben haben: Pelon führt an, dass die unterschiedlichen Mauerkonstruktionen des Westflügels wahrscheinlich chronologisch zu erklären sind: In der 1. Phase kleine Kalksteinblöcke, in der 2. gut geschnittene Sandsteinblöcke. Und für die dritte Phase möglicherweise Lehmziegel.Die äußere Westfassade, die nach der MMIIB-Zerstörung datiert wird, und wo Mauerteile des früheren Gebäudes erhalten sind, dürfte aus unbearbeiteten Kalksteinblöcken bestanden haben.
Dass die frühe SMIA-Phase die wichtigste Rekonstruktionsphase darstellt, wird durch die Überbauung einer wichtigen MMIII-Mauer im Nordwestteil des Palastes und womöglich einer Mauer unmittelbar nördlich der Silos, nahegelegt. Pelon präferierte ursprünglich eine frühere Datierung für die letzte Phase, später – nach den Sondagen – verteidigte auch er die SMIA-Datierung. Tests in Raum III 7 ergaben eine Datierung spätes MMIII oder frühes SMIA.Auch wurde bewiesen, dass die Nord-Portikus des Zentralhofes ebenfalls zu dieser Zeit errichtet wurde, was den Schluß zuläßt, dass die Verkleinerung des Zentralhofes ein ausgeprägtes Merkmal der SMIA-Phase war. Genau in dieser Phase wurden auch die westlichen Seiten aus Lehmziegel errichtet und verschmälerten den Zentralhof.Pelon schlägt vor, dass die Südmauer des Zentralhofes eine neupalastzeitliche Ergänzung ist, die den Hof noch mehr verkleinerte.  Der südliche Teil wird von einigen Ausgräbern überhaupt als die letzte Ausbaustufe angesehen.

(>) Es gibt einige offensichtliche Veränderungen z.B. bei der Ostwand der Pfeilerhalle VII 4, die Südwand von VIII 3 wurde verstärkt, ebenso die von Raum XX, und noch einige andere Modifikationen sind nachweisbar. Alle Veränderungen datieren in die frühe SMIA-Phase.Die vielen Umbauten, auf die ich nicht näher eingehen kann, verkomplizierten einen Rundgang durch den Palast in seiner letzten Phase.
Funktion des Palastes
Seit Jahren beschäftigen sich die Gelehrten mit der Frage: Welche Funktion hatten die Paläste?Seit Arthur Evans gibt es dafür zahlreiche Ansätze¬ Die Residenz einer lokalen Herrscherfamilie > politische Funktion¬ Verwaltungszentrum, aufgrund der zahlreichen Siegelfunde, Magazine > ökonomische Funktion¬ Kultzentrum  > religiöse Funktion¬ Sogar Nekropole, ähnlich den ägyptischen Pyramiden wurden von einigen in die Diskussion eingebracht
Ad 1) politische Funktion:Evan’s Modell, dass der Palast Sitz eines Herrschers oder Priesterkönigs war, der an der Spitze einer hierarchischen Machtstruktur steht, war –und ist teilweise immer noch – weit verbreitet. (I. Schoep “The State of the Minoan Palace, Aegeum 23, 15f)Doch die neuesten Forschungen, die anhand von Funden und Verwaltungsdokumenten, die die Interaktion von Palästen, Siedlungen, Villen usw. in der Neupalastzeit untersuchen, deuten alle auf ein eindeutig, dezentralisierteres politisches System als in der Altpalastzeit hin.Das Territorium der Messara-Ebene und gerade Malia legt nahe, dass Quellen der Macht auch außerhalb der Zentralhofgebäude exisitierten.Vielleicht sollte darum der wertfreie architektonische Begriff Zentralhofgebäude, wie von Shaw vorgeschlagen, dem Begriff Palast vorgezogen werden, da dieser Vorstellungen wie Herrscher, Hierarchie etc. assoziiert.
Dass die Zentralhofgebäude als ein zeremonielles Zentrum dienten, ist aufgrund der archäologischen Funde eindeutig, aber es bleibt unklar, ob sie auch als Residenz einer Herrschergruppe gedient haben.
Ad 2) wirtschaftliche FunktionJean-Claude Poursat bezieht sich auf H. van Effenterre und L.V. Watrous, wenn er eine zwischen der Stadt Malia, dem Palast und der Lasithi-Ebene eine wirtschaftliche Interdependenz sieht, und dass die städtische Entwicklung und das palatiale Zentrum mit der Landwirtschaft der Lasithi-Ebene in Zusammenhang steht. Unterstützt wird dieser Ansatz durch die Existenz der Keramik, der sogenannten “Malia Group” die mit der aus Pyrgos korrespondiert. Weiters kann angenommen werden, dass eine hochspezialisierte administrative Organisation während der Altpalastzeit in Malia bestand. H. van Effenterre argumentiert, dass die Architekten dem Westhof ein spezielles Layout verliehen,  um die N-S-Orientierung des Palastes in die älteren Gebäude zu integrieren.
Ad 3 kultisch-religiöse FunktionIn der Neupalastzeit wurden die Fassaden monumentaler ausgestaltet und betonten die pompöse, repräsentative Intention.Sicherlich hatten insbesondere die Westfassaden einige Funktionen zu erfüllen. Doch wie H. v. Effenterre bemerkt, sehen die Westfassaden aus, als ob sie den Palast von der Stadt isolieren wollten. Es gibt keine großartigen Tore, oder Eingänge an den exponiertesten Stellen. Wie in Knossos sind auch in Malia die Haupteingänge im Norden und Süden. Kurz gesagt: die Westfassade dient nicht als Eingang oder Fassade sondern als Front, von der Stadt gesehen als eine Barriere, oder um eine eindrucksvolle, dominante Sicht auf die “Espalanade” zu bieten, aber ohne direkten Kontakt zum Palast. Somit hätte dieser Teil des Palastes die Aufgabe, die Aktivitäten innerhalb des Palastes vor der einfachen Bevölkerung abzuschirmen. Auffallend ist auch der Umstand, dass der Prozessionsweg exakt bei den Silos endet. Laut Marinatos sind die Silos im Südwesten der Ort, wo die Herbst-Feste stattfanden. Diese Silos waren kommunal aber unter palatialer Kontrolle. Sie postuliert 2 Haupt-Zeremonien, die in Abstimmung mit den jahreszeitlichen Abläufen in Zusammenhang stehen: Eines im Frühjar, wenn die Ernte in die Silos eingebracht wurde, und eines im Herbst, wenn die Saatkörner für die Aussaat geholt wurden.Die Festivitäten im Westhof hatten während der ersten Palastzeit einen agrarischen ebenso wir offiziellen Charakter.
Geraldine C. Gesell argumentiert, dass der Zugang zum Zentralhof  kontrolliert war, da die engen Passagen leicht abzuriegeln waren, und dass dadurch nur eine begrenzte oder auserwählte Gruppe den Hof betreten konnte, um z.B. an speziellen Riten teilzunehmen. Besonders in der Neupalastzeit. Evidenz für kulturelle Handlungen innerhalb des Palastes bieten der Altar inmitten des Zentralhofes, die Treppen, der Kernos, der kugelförmige Stein. Neben dem südlichen Haupteingang befindet sich der wichtigste Kultraum, ein kleiner Schrein (Raum XVIII 1) so bezeichnet aufgrund eines kleinen Altars mit eingeritztem Stern, Terracotta-Füßen, die an ein Xoanon denken lassen und Räuchergefäßen (Incense Burners), die in diesem Raum gefunden wurden. Auch für die Nachpalstzeit kann die kultische Funktion nachgewiesen werden: durch den Schrägbau, der auch als Tempel angesprochen wird. Diese Einrichtungen hätten nicht nur für die potentielle königliche Herrscherfamilie, sondern für einen speziellen Personenkreis (PriesterInnen) Bedeutung gehabt.N. Marinatos erweitert diesen Ansatz noch, indem sie die Funktion des Schreins in Malia nur in Verbindung mit dem offenen Raum des Zentralhofes begründet sieht.
Rituale in MaliaDas in der minoischen Ikonographie am meisten dargestellte Ritual ist die Taurokathapsia, das Stiersprungspiel. Von zahlreichen Siegeldarstellungen,Fresken, Elfenbeinstatuetten etc. ist es uns geläufig.Viele Archäologen bringen den Stiersprung mit dem Zentralhof in Verbindung. Obwohl es auch Gegenargumente gibt, die aufgrund der architektonischen Struktur (gepflasterter Hof) dieses ausschließen.Gerade der Altar im Zentralhof von Malia, der bisher keine Parallelen aufweist, unterstützt die Meinung einiger Gelehrter, dass die Stiersprung-Rituale außerhalb des Palastes stattgefunden haben müssen. Grahams Untersuchungen der architektonischen  Reste in Malia lösen das Dilemma der Gegner der Zentralhof-These, nämlich wie kann das Publikum gefahrlos dem Stiersrpung-Ritual zusehen?Laut Graham diente die Konstruktion östlich des Zentralhofes als Palisade um die offene Arena während des Wettkampfes abzuschirmen. Er belegt diese Einrichtung mit dem Grand Stand Fresko von Knossos. Der zweite Stock und die Loggia im Nordwest-Flügel sind geeignet um einer großen Anzahl an Zuschauern Platz zu bieten. Auch Pelon, unterstützt die Zentralhof-Theorie, denn welch anderen Grund gäbe es sonst für die Absperrmöglichkeiten innerhalb des Zentralhofes? Er argumentiert sogar, dass die Räume X 1b, X ic und X 1 d im Nordosten Boxen für die Stiere waren, wo sie vor dem Ritual verwahrt waren. Es erscheint auch plausibel, da diese Räume als einzige direkt nach außen führten und die Tiere dadurch rein- und rausgeführt werden konnten, ohne den Palast zu betreten. (>) Die Steinkugel im Zentralhof befindet sich exakt gegenüber der Loggia. James Thompson deutet dieses Objekt als “Sprungbrett” für die Stierspringer (Foto), wobei die Vertiefung den Punkt markiert, wo der Akrobat mit dem Fuß zum Absprung aufsetzte.Der Siegelabdruck aus Priene (ABB), zeigt ebenfalls einen Stierspringer, der von einer Plattform abspringt.
Angeregt durch die Arbeiten von Jan Driessen, Mac Donald, MacGillivray und vor allem Lucy Goodison möchte ich eine weitere mögliche Interpretation anfügen.In einer 2001 veröffentlichten Studie von Lucy Goodison wurde durch Experimente im Vorraum  des Thronraums von Knossos demonstriert, dass Mithilfe der  Polythyra bei Sonnenaufgang anläßlich der Sonnenwenden (Solstitien) und Tag- und Nachtgleichen (Äquinoktien) spezielle Teile des Thronraums illuminiert wurden und den Ablauf eines Rituals, das dort stattgefunden hatte (Ephiphanie?) dramatisch in Szene setzte. Das würde auch erklären, warum die Zentralhöfe und damit die Palastanlagen so ausgerichtet waren, um das direkte Sonnenlicht zu speziellen Zeitpunkten im Jahreslauf zu empfangen und bestimmte Punkte zu beleuchten. Parallelen zu diesem Gedanken finden wir auch bei anderen Kulturen von den Kreisgrabenanlagen in Östereich über Stonehenge, bis zu Ägypten und den mesoamerikanischen Kulturen.Die minoischen Paläste haben viele gemeinsame architektonische Merkmale :Und doch fällt auf, dass jeder Palast etwas aufweist, das ihn einzigartig macht = genus loci (den Geist des Ortes)Seien es die Vielzahl an Fresken wie in Knossos, die runden Becken wie in Kato Zakros oder die Kernoi wie in Malia.Deshalb möchte ich jetzt die Aufmerksamkeit auf diese sogenannten Kernoi lenken.
Der Kernos:(>) Ein Kernos wird in der Literatur als schüsselförmiges Gefäß mit einem Kranz kleiner Schalen für Opfergaben definiert, wo anläßlich der Panspermien, die Erstlingsfrüchte bzw. Samen geopfert wurden.
Wenn man aber den Kernos von Malia genauer betrachtet, fällt auf, dass er völlig anders aussieht. Die für die Opfergaben vorgesehenen Vertiefungen sind eigentlich sehr klein, und es sind auch weitaus mehr  als bei den üblichen Kernoi. Nämlich 32 kleine gleich große, regelmäßig entlang des Randes angeordnet, 1 große zentrale und eine mittelgroße, die exakt nach Süden ausgerichtet ist. Der fast ständig präsente Wind in der Ebene nahe dem Meer würde die Opfergaben, seien es Hülsenfrüchte, Samen oder flüssige Opfer schneller verblasen oder verdunsten lassen, als die Rituale höchstwahrscheinlich andauerten. Es wurde auch noch ein zweiter Kernos (im Bild rechts) im Raum VII 13 (Abb) (im Westflügel) gefunden, dessen Vertiefungen aber noch viel flacher sind. (Abb) Und einer aus Konglomerat in der Nekropole von ChrysolakkosAuffälig ist auch die exponierte Lage im Palast, auf einem “Altar” unter freiem Himmel, fest verankert, das Material ist Marmor, Sidéropétra oder Konglomerat, aber  nicht Ton.Alle diese Merkmale lassen für mich den Schluß zu, dass es sich dabei nicht um einen herkömmlichen Kernos oder wie einige auch interpretieren um ein Spielbrett handelt, sondern um einen bronzeitlichen Gnomon. (>) Ein Gnomon ist ein Meßinstrument ähnlich einer Sonnenuhr, mit dem man den Sonnenschatten beobachten kann, um astronomische Größen zu bestimmen. In der Antike wurde der Gnomon auch zur Bestimmung der geografischen Breite eines Ortes, der Nordrichtung, der Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) und der Sonnenwenden (Solstitien) verwendet.Der Kernos könnte sogar ein Kalender sein, der über den Ablauf eines Sonnenjahres hinausging, eine Art “100-jähriger” Kalender, indem auch die Schaltjahre vermerkt waren, z.B. durch unterschiedliche Färbung der Vertiefungen.Die 32 kleinen Vertiefungen könnten für die Sonnenjahre stehen. Denn in 32 Sonnenjahren vergehen 33 Mondjahre. Dadurch wäre es sogar ein Lunisolarkalender, mithilfe dessen nicht nur die Zeitpunkte für die Aussaat und Ernte  wichtigen Termine ablesbar waren, sondern die für die minoische Gesellschaft bedeutenden Festivitäten, die im Einklang mit den jahreszeitlichen Abläufen den Zusammenhalt der Societäten und die florierende Wirtschaft garantierten.Nicht zuletzt die Saison für die Schifffahrt und somit den überaus wichtigen Handel terminisierten.Hier zum Vergleich ein Beispiel von den Wikingern, datiert um 1.000 n. Chr., das auch exakt 32 Kerben entlang des Randes aufweist.(Fotos Wikinger etx.)
Es wäre sicher ein spannendes Experiment, gemeinsam mit einem Astroarchäologen diesen Ansatz weiter zu verfolgen, bzw. den “Kernos” dahingehend zu untersuchen, der vielleicht ein weiterer Puzzlestein zum Verständnis der Funktion minoischer Paläste, zumindest des Palastes von Malia darstellt.In diesem Zusammenhang sind vielleicht auch die Pfeiler mit den sogenannten “Mason’s Marks” näher zu betrachten. Sie könnten Visur-Linien, die mit den Berggipfeln des südlichen Gebirges in Verbindung standen, bedeuten und zur Anpeilung und Markierung bestimmter Himmels-, oder Sternkonstellationen, fungiert haben. Darum erscheint mir auch die geographische Lage der Paläste, die immer  in Reichweite oder  Verbindung mit Bergen errichtet wurden, nicht zufällig gewählt.Die ominöse kugelförmige Steinformation im Zentralhof ist ebenso alleinstehend in der palatialen Architektur wie die Kernoi in Malia und könnte auch mit astronomischen Beobachtungen in Zusammenhang stehen.
Interpretationen:
(>)  Lt. Olivier Pelon Zusammenfassung:Der Palast von Malia erscheint also als ein multifunktionales Gebäude. Eine königliche Persönlichkeit auch ohne dass dies formal beweisbar ist, zeigt sich deutlich im ganzen Nordwest-Teil des Bauwerkes, wo offensichtlich politische und religiöse Aktivitäten ihren Platz hatten:Die Polythyra, die Loggia, der Bankettsaal im Obergeschoß sind Prunkräume, die kaum vorstellbar sind, ohne eine Person, die Macht innehatte oder eine außergewöhnliche Rolle spielte. Die Ausübung des Kultes konzentriert sich auf den Zentralhof und die angrenzenden Räume in den verschiedenen Formen, die oft anderswo besser illustriert sind als in Malia. Im besonderen exisitiert in Malia kein einziges Bild einer Gottheit, um das dieser Kult organisiert war; allerdings erkennt man an dem Fellinen-Symbol (die Leoparden-Axt) das sie begleitet, das Feiern von Agrar- und Opferriten, deren Bühne der Zentralhof war.
Jan Driessen schließt die Funktion als Wohnstätte eines Herrschers aus 2 plausiblen Gründen aus: 1. Bis zum Vulkanausbruch von Thera bzw. der Übernahme durch die Mykener, waren die minoischen Gräber nicht für Individuen angelegt, sondern weisen gemeinschaftliche Bestattungen auf. Und 2. spricht die architektonische Anlage, die mit dem “circulation pattern” immer von den Eingängen, wenn auch kontrolliert, direkt zum Zentralhof führten, wo die Rituale stattfanden, nicht für die Annahme einer Residenz.  Auch hat der Thronraum in Knossos für ihn mehr religiösen als politischen Charakter. So wenn es keinen Herrscher gab, was dann?Er schlägt vor, dass ab der Mitte des 3. Jtds die Zentralhöfe den Ursprung für das, was wir heute minoischen Palast bezeichnen, darstellte.  Die MMIB-Periode um 2.000 v.Chr. wird als die Phase der ersten Paläste angesehen. Durch die kürzlichen Ausgraben im Palast von Malia wurde nun eindeutig festgestellt, dass Teile des Palastes und der Zentralhof bereits in die Mitte des 3.Jtds. datieren und somit in FMIIB datieren. Und somit eine Entscheidung der Bevölkerung darstellen, eine exisitierende Siedlung komplett umzugestalten.
Ich schließe mich der Interpretation von Jan Driessen und von Alexander MacGillivray an, der sagt, dass die kretischen Paläste und Heiligtümer lebendige Orte waren, wo die Gemeinschaft zusammentraf, um den ersten Tag jedes Monats zu feiern, die Mond und Sonnenphasen und die 5 sichtbaren Planeten und alle anderen relevanten Festivitäten, die sie der fruchtbaren Erde widmeten. Und damit ihre wirtschaftliche Position im Mittelmeer begründeten und ihre außerordentliche Kultur entwickelten.

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