Die Minoer

Der Begriff „minoisch“ wurde 1883 von Arthur Milchhöfer verwendet „Ich glaube nun in der That, dass wir in den Grundlagen, auf denen die minoische Herrschaft erwuchs, diejenigen Elemente und Beziehungen wiederfinden, aus denen sich uns auf anderm Wege auch die Gesammterscheinung der ältesten Kunst und Cultur in Griechenland und namentlich auf Mykenae ergab.“ und durch Sir Arthur Evans, der seit 1899 Grabungen auf Kreta durchführte, bekannt. Ob Minos dabei ein Name oder wie Pharao ein Titel war, ist allerdings offen.
Literatur:
Arthur Milchhöfer, Die Anfänge der Kunst in Griechenland, Brockhaus, Leipzig 1883, S. 128.
Evans, Arthur J. 1921–1935. The Palace of Minos at Knossos, 4 vols. London: Macmillan.

Bevölkerung
Lange war spekuliert worden, die Minoer wären weder eine indigene Bevölkerung noch aus Griechenland eingewandert, sondern stammten aus Anatolien oder dem Nahen Osten. Genetische Untersuchungen haben dies nun bestätigt: Die Y-Chromosomen der Minoer deuten auf eine Herkunft des ältesten europäischen Volks, das eine Hochkultur ausbildete, aus Nordwest- oder Westanatolien bzw. Syrien-Palästina.
Ähnlichkeiten in Bautechniken, Haltung von Haustieren (bzw. den verwendeten Rassen) oder der Verwendung spezieller Arten von Brotgetreide legten dies schon länger näher. Inwiefern auch die Sprache der Minoer aus Anatolien oder dem syrischen Raum beeinflusst war, muss offen bleiben, bis die Linear A-Schrift, in der die Minoer ihre Sprache nieder schrieben, entziffert ist.

Siehe auch den Blog: Preview of “The Minoans, DNA and all. | Mathilda’s Anthropology Blog.

Literatur:
Laisel Martinez, Sheyla Mirabal, Javier R. Luis, Rene J. Herrera: Middle Eastern and European mtDNA lineages characterize populations from eastern Crete, in American Journal of Physical Anthropology, Volume 137, Issue 2, pages 213–223, October 2008

Die Bezeichnung “Kreta”:
The island is first referred to as Kaptara in texts from the Syrian city of Mari dating from the 18th century BC, repeated later in Neo-Assyrian records and the Bible (Caphtor). It was also known in ancient Egyptian as Keftiu, strongly suggesting some form similar to both was the Minoan name for the island.
The current name of Crete first appears in Mycenaean Greek as ke-re-si-jo “Cretan” in Linear B texts. In Ancient Greek, the name Crete (Κρήτη) first appears in Homer’s Odyssey. Its etymology is unknown. One speculative proposal derives it from a hypothetical Luvian word *kursatta (cf. kursawar “island”, kursattar “cutting, sliver”).
In Latin, it became Creta.
The original Arabic name of Crete was Iqrīṭiš (Arabic: اقريطش‎ < (της) Κρήτης), but after the Emirate of Crete’s establishment of its new capital at ربض الخندق Rabḍ al-ḫandaq (modern Iraklion), both the city and the island became known as Χάνδαξ (Khandhax) or Χάνδακας (Khandhakas), which gave Latin and Venetian Candia, from which French Candie and English Candy or Candia. Under Ottoman rule, in Ottoman Turkish, Crete was called Girit (كريت).
Quelle: en.wikipedia

Kreta war für damalige Verhältnisse äußerst dicht besiedelt. Dabei entsprach die Besiedlungsdichte in minoischer Zeit auf dem Land etwa der heutigen, während die Städte deutlich kleiner waren als die modernen. Für Knossos schwanken die Schätzungen zwischen 10.000 und 20.000 Einwohnern.

Homer beschreibt Kreta so in der Odyssee:
Kreta ist ein Land im dunkelwogenden Meere,
Fruchtbar und anmutsvoll und ringsumflossen. Es wohnen
Dort unzählige Menschen, und ihrer Städte sind neunzig:
Völker von mancherlei Stamm und mancherlei Sprachen. Es wohnen
Dort Achaier, Kydonen und eingeborene Kreter,
Dorier, welche sich dreifach verteilet, und edle Pelasger.
Ihrer Könige Stadt ist Knossos, wo Minos geherrscht hat,
Der neunjährig mit Zeus, dem großen Gotte, geredet.

Diese Verse beziehen sich zwar auf eine spätere Epoche, nämlich um 1200 v. Chr., und wurden im späten 8. Jahrhundert v. Chr. schriftlich festgehalten, jedoch könnten bereits in minoischer Zeit verschiedene ethnische Gruppen im Zuge von Handelsverbindungen und kriegerischen Auseinandersetzungen auf die Insel gelangt sein. Genannt sind die Eteokreter (eingeborene Kreter), Kydonen, Achaier, Pelasger und Dorer (Dorier). Der antike griechische Geschichtsschreiber und Geograf Strabon (etwa 63 v. Chr. − nach 23 n. Chr.) hält in seiner Geôgraphiká (Γεωγραφικά) die Eteokreter und Kydonen für „wahrscheinlich ureinsässig“, während die Dorer später eingewandert seien.

Man geht heute von der dorischen Landnahme auf Kreta nach 1100 v. Chr. aus, also erst in nachminoischer Zeit. Die Achaier werden oft mit den Mykenern gleichgesetzt, die um 1450 bis 1400 v. Chr. die Herrschaft auf Kreta übernahmen und die Nachpalastzeit prägten. Als Pelasger bezeichnet man hingegen nichtgriechischsprachige Gruppen der südlichen Balkanhalbinsel, die möglicherweise die Urbevölkerung Griechenlands darstellten.

Gesellschaft
Zweifellos differenzierte sich die minoische Gesellschaft auf dem Weg zur Hochkulturphase sozial, was zum Beispiel aus unterschiedlichen Grabausstattungen geschlossen wird. Ebenso ist eine ausgeprägte Spezialisierung feststellbar: Es gab Fischer, Ruderer, Kapitäne, Soldaten, Schreiber, Töpfer, Maler, Bauarbeiter, Architekten, Musiker etc. Ungeklärt bleibt aber, worin die soziale Stellung begründet und ob sie erblich war und ob zwischen Freien und Sklaven unterschieden wurde.

Die prominente Darstellung von Frauen, zumindest Priesterinnen, in der minoischen Kunst – typischerweise mit unbedeckter Brust – hat zu Spekulationen über ein Matriarchat Anlass geboten. Unzweifelhaft hatten Frauen – etwa als Priesterinnen – gesellschaftlich wichtige Funktionen. Aber auch wenn die griechische Überlieferung für eine sehr einflussreiche Position minoischer Frauen spricht, muss die Frage nach der Stellung minoischer Frauen und des Verhältnisses der Geschlechter zueinander mangels wirklich aussagefähiger Quellen unbeantwortet bleiben.
Quelle: abhilfe.net

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